Jacques Rossel (1915–2008)

Missionar, der ein Leben in ökumenischer Weite führte

Jacques Rossel
Jacques Rossel / © Der Auftrag. Organ der evangelischen Missionsgesellschaft in Basel, IV. Jahrgang, Juni/Juli 1959, Nr. 6/7, S. 77

«Unteilbar zur Mission gehört: Christus zu verkündigen und an der lebendigen Gemeinschaft mit ihm Anteil zu geben.»

Rossel stammte aus Tramelan und wurde in Courtelary im Berner Jura geboren. Er war der Sohn von Richter Jean Rossel und Martha Tissot, sowie Enkel von Virgile Rossel, dem Präsidenten des Bundesgerichts. 1942 heiratete er Anne-Marie Courvoisier.

Er absolvierte seine Schulzeit bis zur Matura in Bern und studierte dann Theologie an der Universität Lausanne. Anschliessend unternahm er 1938 eine sechsmonatige Studienreise über die christliche Mission in Indien und Indonesien. Er wirkte dort als theologischer Lehrer. Nach einem Praktikum an der Kathedrale von Lausanne wurde er in die Pfarrschaft der Waadtländer Landeskirche aufgenommen (Ordination 1939). Er verbrachte zwei Jahre im Dienst der Schweizer Armee, bevor er Pfarrer der reformierten Gemeinde Bulle-Romont wurde (1941 bis 1945). Von Juli 1946 bis Februar 1959 arbeitete er bei der Basler Mission in Mangalore, Südindien. Danach wurde er zum Präsidenten des Vorstands der Basler Mission gewählt und lebte bis 1979 in Basel. Er war der erste Nicht-Basler, der der Basler Evangelischen Missionsgesellschaft vorstand. In dieser Zeit reiste er nach Ghana, Kamerun, Nigeria und Uganda. Er war Mitglied des Zentralausschuss (dort vertrat er den Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund) und später des Exekutivausschusses des Ökumenischen Rates der Kirchen ÖRK (1968 bis 1980). Rossel engagierte sich stark im Kampf gegen die Apartheid und setzte sich für die Ausweitung der Religionsfreiheit in der Sowjetunion ein. 1964 gründete er die «Kooperation Evangelischer Missionen». Ab 1970 wurde sie die Kooperation Evangelischer Missionen und Kirchen KEM, der auch die Basler Mission bis 2000 angehörte. Zuletzt war er Pfarrer in Pully (VD). 1980 trat er in den Ruhestand. Die Universitäten Bern (1965) und Lausanne (1979) haben ihm die Ehrendoktorwürde verliehen. Eine Leichtigkeit im Denken, Handeln, Gestalten und Beten prägten den Ökumeniker bis zu seinem Tod. Rossels Verwurzelung im Evangelium und sein Engagement für Menschen in je ihrer Welt zogen sich durch sein Leben.