Schwerpunkt Seelsorge

Neuigkeiten aus der Asyl- und Armeeseelsorge

Änderungen spiegeln wachsende interreligiöse Zusammenarbeit

Seit den 1990er-Jahren werden Asylsuchende in den vom Bund geführten Zentren (BAZ) von Seelsorgenden der reformierten und der katholischen Kirche begleitet. Grundlage für
diesen Dienst ist eine Rahmenvereinbarung zwischen den Landeskirchen, dem Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund und dem Staatssekretariat für Migration (SEM). Auf nationaler Ebene wird die Seelsorge von einem gemeinsamen
Ausschuss, dem Comité mixte, koordiniert, der auch die Umsetzung der Rahmenvereinbarung laufend überprüft. Weil heute zunehmend auch muslimische Seelsorgende in den Bundesasylzentren (BAZ) tätig sind, wurde Mitte 2022 auch die
Föderation Islamischer Dachorganisationen in das Comité mixte integriert.

2023 nahm das Comité die Revision des Leitbilds der Seelsorge von 2009 sowie der
Rahmenvereinbarung aus dem Jahr 2002 in Angriff. Die beiden Grundlagendokumente
sollen den neuen Arbeitsbedingungen angepasst werden, die sich insbesondere aus der 2019 in Kraft getretenen Neustrukturierung des Asylbereichs ergeben. Der Bund betreibt seither eine deutlich grössere Anzahl BAZ und ist über eine längere Zeitspanne für die Unterbringung und Betreuung der Asylsuchenden zuständig. Die BAZ sind auf sechs Asylregionen mit ausgebauten selbstorganisatorischen Kompetenzen verteilt. Diese strukturellen Veränderungen haben das institutionelle Arbeitsumfeld der Seelsorge verändert und zu einer Erhöhung der Anzahl akkreditierter Seelsorgenden geführt sowie eine Anpassung der Zusammenarbeit innerhalb der Seelsorge und mit dem SEM erforderlich gemacht. Ausserdem soll die interreligiöse Zusammenarbeit in der Seelsorge besser integriert und gestärkt werden.


Seelsorge für Asylsuchende in Zahlen
Derzeit sind 16 römisch-katholische, 22 evangelisch-reformierte und sieben muslimische Seelsorgende in den meisten der aktuell 45 regulär oder temporär betriebenen Bundesasylzentren und den Flughäfen im Einsatz.


 

Armeeseelsorge
Catherine Berger, Vizepräsidentin des Rats EKS, im Austausch mit Seelsorgenden am ersten nationalen Armeeseelsorgetag.

Erfolgreiche Rekrutierungsoffenive der EKS

In der Schweizer Armee leisten Seelsorgerinnen und Seelsorger Dienst, die als Milizoffiziere nach armeeinterner Weiterbildung allen Angehörigen der Armee bei persönlichen Anliegen, dienstlichen Problemen und insbesondere in Notfällen zur Seite stehen. Wie stark Seelsorge besonders in schwierigen Zeiten gefragt ist, zeigte die Corona-Pandemie.

So beschloss die Armee, die Zahl der Seelsorgenden ab 2023 von 171 auf 242 zu erhöhen und auch andere Religionen zu berücksichtigen. Die EKS hat in ihren Reihen mit einer Rekrutierungsoffensive die beschlossene Aufstockung unterstützt, gemäss dem Auftrag der Synode vom Juni 2022, ein Bindeglied zwischen den Mitgliedkirchen und der Armee zu sein. 2023 fanden vier Onlinetreffen der Verantwortlichen für Armeeseelsorge der
einzelnen Mitgliedkirchen statt, mit dem Ziel, den Informationsfluss und den persönlichen Austausch zu gewährleisten.

Die 2023 neu ins Leben gerufene zweisprachige Arbeitsgruppe Armeeseelsorge der EKS kümmert sich um die Anliegen der reformierten Seelsorgenden, führt Gespräche mit Kandidierenden für die kirchliche Empfehlung anhand einheitlicher Kriterien, präsentiert die Armeeseelsorge in Ausbildungsmodulen, stellt Werbematerial zusammen und pflegt das Netzwerk.

Höhepunkt war der erste nationale Armeeseelsorgetag der EKS am 20. Juni 2023 in Olten.


Armeeseelsorge in Zahlen
Seit 2021 sind neben reformierten und katholischen neu auch muslimische, jüdische und freikirchliche Seelsorgende für den Dienst in der Armee zugelassen. Im Sommer 2023 zählte der Dienstzweig Armeeseelsorge 174 Aktive (156 Männer und 18 Frauen). Davon hatten 79 einen evangelisch-reformierten, 64 einen römischkatholischen, 25 einen freikirchlichen, drei einen christkatholischen, zwei einen jüdischen und einer einen muslimischen Hintergrund.