Trotzdem feiern

Ideen für ein Fest zu Hause

Auf dieser Seite finden Sie den theologischen Hintergrund des Projekts «Trotzdem Weihnachten». Da 2020 die Weihnachtsgottesdienste in der üblichen Form nicht stattfinden können, verzeichnet diese Seite Ideen für alternative Gottesdienstformen für zu Hause, sammelt Links zu nationalen Gottesdienstübertragungen und gibt meditative Impulse. Eine umfassende Ideensammlung finden Sie auch in unserem ökumenischen Partnerprojekt trotzdemlicht.ch.

Haben Sie schon liturgische Ideen, digitale Tipps und Online-Predigten zu Weihnachten? Nadine Manson, Beauftragte für Liturgie, nimmt diese gerne entgegen.

Meditation «Einen Platz finden»

«Jauchzet, ihr Himmel, frohlocket, ihr Engel, in Chören; / singet dem Herren, dem Heiland der Menschen zu Ehren. / Sehet doch da: Gott will so freundlich und nah / zu den Verlornen sich kehren» (Gerhard Tersteegen, RG 404,1)

Jubeln ist angesagt, es ist Weihnachten: Jesus, der Sohn Gottes kommt in die Welt, um sie, um uns zu erlösen. Er bringt das Licht der Liebe Gottes (Joh 8,12), die die Finsternis unserer Entfremdung vom Schöpfer überwindet. Er bringt Leben, neues Leben, Leben in Fülle… und wird ausgeschlossen: «Und sie [Maria] gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Futterkrippe, denn in der Herberge war kein Platz für sie.» (Lk 2,7).

Auch das ist Teil der Weihnachtsgeschichte: Jesus Christus wird nicht dort geboren, wo Maria ihn gerne gebären würde. In der Herberge gibt es keinen Platz mehr für sie, Josef und das Kind. Die Welt, die er zu retten gekommen ist, heisst ihn nicht willkommen und bereiten ihm keinen Ehrenplatz, sondern sperrt ihn sogar aus.

Dennoch kommt Jesus auf die Welt. Er findet einen Platz in ihr, um den Weg zum Vater für alle zu öffnen, die an ihn glauben. Er, dem kein Platz bereitet wurde, macht für uns Platz in der Familie Gottes. Er nimmt uns in sie auf; in ihm werden wir in die liebende Umarmung von Vater, Sohn und Heiligem Geist erneut eingeschlossen. Das ist der Sinn von Weihnachten: «Sehet doch da: Gott will so freundlich und nah / zu den Verlornen sich kehren». Weihnachten ist das Fest der Nähe Gottes zu den Menschen.

Wie kann diese Nähe aber meditiert, gefeiert, gespürt werden in einer Zeit, in der Menschen voneinander getrennt sein müssen? Zum einen: Christus kommt zu jeder und jedem, die und der an ihn glaubt. In ihm sind wir trotz räumlicher Entfernung mit ihm und miteinander verbunden. Zum anderen verlangt unsere Verbindung in Christus – die nicht bloss ein frommer Gedanke, sondern Wirklichkeit ist – auch wirkliche Gestalt anzunehmen. Die Grenzen unserer getrennten Räume müssen durchlässig werden für das Licht Christi, das uns verbindet. Wir öffnen Fenster zu denjenigen, die von uns getrennt sein müssen: Fenster des Gebets und der Fürbitte. Fürbitte ist ja nichts anderes, als vor Gott zu treten mit anderen Menschen auf dem Herzen. Vor seinem Angesicht finden wir alle Platz, einen gemeinsamen Platz – den Platz, den Christus selbst uns zu bereiten gekommen ist.

Nadine Manson, Beauftragte für Liturgie