An seiner Sitzung vom 5. und 6. Dezember äusserte der Rat EKS seine Besorgnis über die Polarisierungen, die der bewaffnete Konflikt in Israel/Palästina in Kirche, Ökumene und Gesellschaft hervorruft. Er erinnert an die Aufforderung der biblischen Botschaft, «die Einheit des Geistes zu wahren durch das Band des Friedens» (Epheser 4,3). So lautet auch das Motto des Ökumenischen Weltgebetstags von Frauen für das Jahr 2024 zum Thema «Palästina». Der in mehrjähriger Arbeit vorbereitete Weltgebetstag ist eine unabhängige ökumenische Initiative, die jedes Jahr ein Land in den Fokus von Gebet und Solidarität der weltweiten Kirche stellt.

Der Gebetstag im März 2024 gilt den palästinensischen Christinnen und Christen. Sie rufen ihre seit Jahrzehnten andauernde schwierige Lage in Erinnerung und setzen sich für Versöhnung und einen gerechten Frieden in der Region ein. Im Gebet übergeben die Betenden Gott selbst ihr Anliegen und richten auf ihn ihre Hoffnung. Deshalb unterstützt der Rat EKS das Gebetsanliegen und empfiehlt seinen Mitgliedkirchen, an der Durchführung von Gottesdiensten und Begleitveranstaltungen anlässlich des Weltgebetstags festzuhalten. Gleichzeitig wendet er sich konsequent gegen jede Instrumentalisierung des Gebetstags für eine einseitige Positionierung im gegenwärtigen bewaffneten Konflikt und in der politischen Situation im Nahen Osten. Zu diesem Zweck veröffentlicht er eine Handreichung.

Der Rat EKS fühlt sich mit den palästinensischen Kirchen und ihrem Engagement für alle Palästinenserinnen und Palästinenser verbunden. Gleichzeitig ist er entsetzt über den menschenverachtenden, brutalen Angriff der terroristischen Hamas auf jüdische Bewohnerinnen und Bewohner Israels. Die Ereignisse vom 7. Oktober bilden die schreckliche Klimax der seit Jahrzehnten andauernden Bedrohung ihres alltäglichen Lebens. Entschieden verurteilt der Rat jegliche Form einer Infragestellung des Existenzrechts des Staates Israels. Den jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern der Schweiz drückt er erneut sein Mitgefühl und seine Solidarität aus und unterstützt alle Bemühungen zur Bekämpfung aufkeimender antisemitischer Umtriebe in unserem Land.

Von der verheerenden Gewaltspirale in Israel und den palästinensischen Gebieten sind alle Menschen dieser Region betroffen: Jüdische, Muslimische und Christliche. Der Rat EKS ist überzeugt, dass ein gerechtes und friedliches Zusammenleben ohne eine kulturell-interreligiöse Verständigung unmöglich ist. Erst dann können sich die Menschen im Respekt gegenüber ihrer jeweiligen Geschichte und in wechselseitiger Anerkennung ihrer Würde begegnen.


Der Rat EKS empfiehlt die Publikation:
«Land Israel, Staat Israel, heiliges Land. – Die Bedeutung von historisch-theologischen Zugängen für den jüdisch-christlichen Dialog». Der Evangelisch-Jüdischen Gesprächskommission (EJGK) der EKS und des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes SIG aus dem Jahr 2021.

Die Publikation leistet einen wertvollen Beitrag zu authentischem Dialog. Einfache Antworten auf die komplexen Fragen rund um die religiöse und politische Bedeutung von Land und Staat Israel vergiften das gegenseitige und für eine eingehende und wahrhaftige Diskussion unerlässliche Vertrauen. Die durch die EJGK erprobte Methodik bietet eine Möglichkeit, einseitige Einstellungen zu überwinden und Vertrauen herzustellen.

Die Publikation kann hier eingesehen werden.