Montag, 21. September 2020

Beirut – Reports

Das Flugzeug ist zu zwei Dritteln gefüllt; in Corona-Zeiten bedeutet das, es ist eigentlich voll. An Bord sind alle Generationen vertreten, Schweizerinnen und Schweizer libanesischer Herkunft, getrennt lebende Familien, junge Leute auf Reisen, ältere Menschen, die vermutlich von einem Besuch bei ihren Kindern zurückkehren. Alle wurden kurz vor dem Flug noch auf Covid-19 getestet, alle tragen eine Maske. Und wenn man im Flughafenbus doch ein wenig enger zusammenrücken muss, beäugt man sich gegenseitig misstrauisch und dreht dem anderen den Rücken zu. Die Flugbegleiterinnen sind wie Krankenschwestern gekleidet. Serviert wird uns eine kalte Mahlzeit, die in Dosen und Plastik verpackt ist.

Jeder, der schon einmal mit dem Flugzeug nach Beirut gekommen ist, kennt und liebt diesen Anblick: Das Flugzeug steigt parallel zur Küste ab und so kann man kurz vor der Landung die Stadt in ihrer vollen Breite bewundern, den Hafen, das Stadtzentrum, die schiitischen Wohnviertel. Im Abendlicht ist das ein wunderschönes Panorama. Dieses Mal schauen wir nur zögerlich in Richtung Hafen: dort gibt es nur Leere, eine Einöde. Kurz vor der Landung wird ein kurzer «Willkommens»-Film am Screen gezeigt: Khaled singt bzw. beweint die gebeutelte Stadt, zugleich sieht man Bilder der Stadt nach der Zerstörung, die in voller Geschwindigkeit vorbeiziehen, über all dem die libanesische Flagge mit einer breiten, schwarzen Linie in der Mitte. Unmittelbar werden wir von den Emotionen übermannt.

Am Flughafen dann die erste Überraschung: Wir müssen nochmals einen Covid-19-Test machen. Die Passkontrolle geht sehr rasch vonstatten, und die Zoll- und Sicherheitskontrollen… entfallen. Nach weniger als fünf Minuten verlasse ich den Flughafen, für mich ein totales Novum. In der Flughafenhalle, die normalerweise vor Menschen nur so wimmelt, befinden sich nur wenige Leute, die Coffeeshops sind leer.

«Was hat es mit den Puppen auf sich?», will unser Fahrer wissen. Diese Puppen erzählen von der kirchlichen Zusammenarbeit von HEKS: Es waren einmal 17 protestantische Gemeinden in Syrien und im Libanon, die ein Bildungsprogramm für Kinder anbieten. Dabei geht es nicht nur um Katechese, sondern auch um gesellschaftlichen Zusammenhalt im Dorf (denn nicht alle Kinder sind evangelisch), und auch ein wenig um psychologische Unterstützung für Kinder, die in den letzten Jahren traumatische Dinge erlebt haben. Die Lehrpersonen suchen in diesem Zusammenhang nach nützlichen Hilfsmitteln, damit die Kinder mit ihnen nicht nur spielen und lernen können, sondern sie diese auch zum Sprechen bringen. Es waren einmal 17 reformierte Pfarreien in der Schweiz, die bei diesem Projekt helfen wollten und jeweils eine Puppe für eine dortige Pfarrei gespendet haben. Die Geschichte ist ebenso einfach wie berührend.

Video

Standbild Video Landeanflug Beirut